Er arbeitet mit der Präzision eines Modellbauers: Der Berner Künstler Bendicht Gertsch zeigt im Kabinett Holz-Körper, die sich zwischen schwebender Luftigkeit und utopischer Computersimulation bewegen.
Schicht für Schicht fügt er das dünne Sperrholz zusammen. Jede Schicht hat eine andere Grösse, zieht sich aber horizontal durch den ganzen Holz-Körper hindurch. Bendicht Gertsch arbeitet wie ein Modellbauer, der die Alpen en miniature nachbaut. Nur das die Körper, die beim jungen Berner Künstler entstehen, mit Naturalismus nichts zu tun haben. Denn Gertsch - ja, er stammt aus der bekannten Künstlerfamilie - baut in seinem aufwändigen, handwerklich auf Präzision aufbauendem Verfahren das auf, was man gemeinhin als Skulptur bezeichnet. Manche werden sich noch an seine beschwingte Flügel-Arbeit erinnern, die an der Skulpturenausstellung in Muri im 2002 in der Mitte des Rasens stand. Gertschs Holz-Körper haben spezielle Formen und Wirkungen. Da ist eine Gruppe von Körpern, die trotz ihrer Materialität zu flimmern beginnen. Sie nehmen den Moiré-Effekt auf, den Werner Witschi zur Perfektion vorantrieb. Gertsch jedoch findet eine eigene Sprache, ausgehend von einfachen Ellipsen etwa, die in leichten Schwingungen von unten nach oben verlaufen. Von nahe gesehen ist der stelenhafte Körper kompakt, ein vielleicht an Brancusis erinnerndes Wachsen und Bewegen. Je weiter man sich entfernt, desto entmaterialisierter wirkt der Körper. Er löst sich an den Rändern auf, weil die zahllosen Holzschichten gegeneinander verschoben sind und dadurch zwischen jeder immer eine feine Lücke entsteht. Diese Leerstellen bringen den Körper zum Vibrieren. Eine zweite Werkgruppe irritiert nicht visuell, sondern durch Formen, die nicht eindeutig bestimmbar sind: Sie erinnern an organische Formen, lassen aber auch an dreidimensionale Computersimulationen denken, mit denen ein Architekt neue, noch nie gesehene Volumen ausprobiert.
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