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Bendicht Gertsch, Wylerfeldstrasse 40, 3014 Bern
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Flimmern des Holzes
| 15.03.2004 |
Er arbeitet mit der Präzision eines Modellbauers: Der Berner Künstler Bendicht
Gertsch zeigt im Kabinett Holz-Körper, die sich zwischen schwebender Luftigkeit
und utopischer Computersimulation bewegen.


Schicht für Schicht fügt er das dünne Sperrholz zusammen. Jede Schicht hat eine
andere Grösse, zieht sich aber horizontal durch den ganzen Holz-Körper hindurch.
Bendicht Gertsch arbeitet wie ein Modellbauer, der die Alpen en miniature
nachbaut. Nur das die Körper, die beim jungen Berner Künstler entstehen, mit
Naturalismus nichts zu tun haben.
Denn Gertsch - ja, er stammt aus der bekannten Künstlerfamilie - baut in seinem
aufwändigen, handwerklich auf Präzision aufbauendem Verfahren das auf, was
man gemeinhin als Skulptur bezeichnet. Manche werden sich noch an seine
beschwingte Flügel-Arbeit erinnern, die an der Skulpturenausstellung in Muri im
2002 in der Mitte des Rasens stand.
Gertschs Holz-Körper haben spezielle Formen und Wirkungen. Da ist eine Gruppe
von Körpern, die trotz ihrer Materialität zu flimmern beginnen. Sie nehmen den
Moiré-Effekt auf, den Werner Witschi zur Perfektion vorantrieb. Gertsch jedoch
findet eine eigene Sprache, ausgehend von einfachen Ellipsen etwa, die in
leichten Schwingungen von unten nach oben verlaufen. Von nahe gesehen ist der
stelenhafte Körper kompakt, ein vielleicht an Brancusis erinnerndes Wachsen und
Bewegen. Je weiter man sich entfernt, desto entmaterialisierter wirkt der Körper. Er
löst sich an den Rändern auf, weil die zahllosen Holzschichten gegeneinander
verschoben sind und dadurch zwischen jeder immer eine feine Lücke entsteht.
Diese Leerstellen bringen den Körper zum Vibrieren.
Eine zweite Werkgruppe irritiert nicht visuell, sondern durch Formen, die nicht
eindeutig bestimmbar sind: Sie erinnern an organische Formen, lassen aber auch
an dreidimensionale Computersimulationen denken, mit denen ein Architekt neue,
noch nie gesehene Volumen ausprobiert.
Konrad Tobler
 
 
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