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Bendicht Gertsch, Wylerfeldstrasse 40, 3014 Bern
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Geschichtete Plattenplastik
| 14.03.2004 |
Bendicht Gertsch stellt im Kabinett Bern neue Holzarbeiten aus

Gertschs Inspirationsquellen sind manchmal ganz unspektakulärer Natur.
Bendicht Gertsch ereilte der künstlerische Kick im Geografieunterricht am
Lehrerseminar Bern. Die Anfertigung eines Gebirgsreliefs faszinierte ihn
nachhaltig. Zwar beendete er 1989 die Lehrer-Ausbildung und arbeitete hernach
zehn Jahre im erlernten Beruf. Doch im Privaten experimentierte er weiter mit
Holzplatten und Werkzeugen. Es reizte ihn die Möglichkeit, mit dünnen
Schichtholzplatten räumliche Strukturen aufzubauen.

Verdreht, verschlungen

Gertschs Schichtplastiken sind klassische „Wie geht das?“- Arbeiten. Verwundert
betrachtet man die bizarr geformten Objekte: orchideenhafte Gebilde, organische
Strukturen, verdreht und verschlungen, zarte, federige Türmchen. Und man fragt
sich, wie jemand solch komplexe und komplizierte Gebilde überhaupt herstellen
kann.

Mit ruhiger Hand

Mit viel Geduld. Die steht gewiss an erster Stelle. Denn Gertsch, offenbar eine
ruhige Tüftlernatur, fertigt seine faszinierenden Objekte in stiller und beharrlicher
Handarbeit. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, etwas Mathematik, sehr
viel Akuratesse und eine ruhige Hand gehören auch dazu. Auf einer einfachen
Grundform, einem Dreieck zum Beispiel, baut Gertsch seine Plastiken auf: Ein
erstes Dreieck zeichnet er auf und sägt es aus. Es dient ihm als Schablone für die
zweite Schicht, für die er den Umriss der ersten nachzeichnet und verändert -
nimmt an dieser Ecke ein paar Millimeter fort, fügt an jener ein paar hinzu.
Langsam, Schicht für Schicht, baut Gertsch so eigentümlich bewegte Objekte auf,
die faszinieren. Doch drängt sich der knifflige Herstellungsprozess, der
handwerkliche Trick, in den Vordergrund. Leicht entgeht dem Betrachter die feine
Ironie in Gertschs Arbeiten: dass er seine üppig blühenden Formen aus einem so
stark bearbeiteten und kaum mehr natürlichen Material wie MDF-Platten wachsen
lässt. Mit ihren organischen, scheinbar gewachsenen Formen erinnern die Objekte
an Pflanzenreich und Erdschichtungen - und somit auch an den
Geografieunterricht, mit dem alles seinen Anfang nahm.
Alice Henkes
 
 
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