Bendicht Gertsch stellt im Kabinett Bern neue Holzarbeiten aus
Gertschs Inspirationsquellen sind manchmal ganz unspektakulärer Natur. Bendicht Gertsch ereilte der künstlerische Kick im Geografieunterricht am Lehrerseminar Bern. Die Anfertigung eines Gebirgsreliefs faszinierte ihn nachhaltig. Zwar beendete er 1989 die Lehrer-Ausbildung und arbeitete hernach zehn Jahre im erlernten Beruf. Doch im Privaten experimentierte er weiter mit Holzplatten und Werkzeugen. Es reizte ihn die Möglichkeit, mit dünnen Schichtholzplatten räumliche Strukturen aufzubauen.
Verdreht, verschlungen
Gertschs Schichtplastiken sind klassische „Wie geht das?“- Arbeiten. Verwundert betrachtet man die bizarr geformten Objekte: orchideenhafte Gebilde, organische Strukturen, verdreht und verschlungen, zarte, federige Türmchen. Und man fragt sich, wie jemand solch komplexe und komplizierte Gebilde überhaupt herstellen kann.
Mit ruhiger Hand
Mit viel Geduld. Die steht gewiss an erster Stelle. Denn Gertsch, offenbar eine ruhige Tüftlernatur, fertigt seine faszinierenden Objekte in stiller und beharrlicher Handarbeit. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, etwas Mathematik, sehr viel Akuratesse und eine ruhige Hand gehören auch dazu. Auf einer einfachen Grundform, einem Dreieck zum Beispiel, baut Gertsch seine Plastiken auf: Ein erstes Dreieck zeichnet er auf und sägt es aus. Es dient ihm als Schablone für die zweite Schicht, für die er den Umriss der ersten nachzeichnet und verändert - nimmt an dieser Ecke ein paar Millimeter fort, fügt an jener ein paar hinzu. Langsam, Schicht für Schicht, baut Gertsch so eigentümlich bewegte Objekte auf, die faszinieren. Doch drängt sich der knifflige Herstellungsprozess, der handwerkliche Trick, in den Vordergrund. Leicht entgeht dem Betrachter die feine Ironie in Gertschs Arbeiten: dass er seine üppig blühenden Formen aus einem so stark bearbeiteten und kaum mehr natürlichen Material wie MDF-Platten wachsen lässt. Mit ihren organischen, scheinbar gewachsenen Formen erinnern die Objekte an Pflanzenreich und Erdschichtungen - und somit auch an den Geografieunterricht, mit dem alles seinen Anfang nahm.
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